Bleistift-Test

Wie verhalten sich verschiedene Bleistifte im Test

Es gab Zeiten, in denen ich noch nicht die großen und gravierenden Unterschiede der verschiedensten Bleistifthersteller und -sorten kannte. Ich hatte mir immer gesagt: Wo soll schon der große Unterschied zwischen einem „B“ Bleistift der Marke A und einem „B“ Bleistift der Marke B sein? Doch es gibt ihn, was mich fasziniert hat. Mein Kunstlehrer hat mir damals gesagt, dass man auch die Qualität eines Bleistiftes beim Anspitzen erkennt: rollt sich das Holz beim Anspitzen als ein Ganzes auf, ohne irgendwo zu brechen, habe ich eine gute Qualität. Bricht es immer wieder ab, und habe ich beim Spitzen eben nur viele kleine Holzstückchen, dann habe ich eine schlechte Qualität. Ganz so ist es zwar nicht, aber dennoch ist da schon viel Wahrheit drin.

In meinen Anfängen hatte ich immer mit Staedtler Markenbleistiften gearbeitet. Grundsätzlich war mir schon klar, dass sich ein Markenbleistift schon etwas von einem absoluten Billigprodukt unterscheiden müsste. Es handle sich ja um ein Markenprodukt. Dass es aber bei den einzelnen Marken auch noch mal gravierende Unterschiede gibt, habe ich erst vor gut einem Jahr gelernt, und habe mal verschiedenste Markenbleistifte ausprobiert:

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Boesner Hausmarke – www.boesner.com
Mitsu-bishi – www.jetpens.com
Tombow – www.tomboweurope.com
Faber-Castell – www.faber-castell.de
Lyra – www.fila.it

Jeder dieser Bleistifte hat seine bestimmten Eigenschaften, die für bestimmte Einsatzgebiete bestimmt auch sehr gut sind, für andere aber wiederum etwas von Nachteil sind. Und grundsätzlich spielt nicht nur das Einsatzgebiet, also technische Zeichnung, Skizze, Detailzeichnung o.ä. Eine Rolle, sondern natürlich auch die Papierauswahl. In diesem Betrag habe ich auch mal meine Erfahrungen zu meinen Papiererfahrungen nieder geschrieben: „Papier ist nicht gleich Papier“. So hat zum Beispiel ein Bleistift, der eher für technische Zeichnungen ausgelegt ist, auf einem dafür ausgelegten Papier enorme Vorteile, auf einem eher rauhen Papier aber eher Nachteile, wo wiederum ein Bleistift für feine Zeichnungen punkten kann, aber eben auf einem Papier für technische Zeichnungen eben Schwächen hat. Ich möchte hier explizit erwähnen, dass ich keine der oben genannten Bleistifte und Hersteller schlecht machen möchte und eine mindere Qualität ausprechen möchte, denn wie gesagt, jeder Bleistift hat in diversen Spezialgebieten Vor- aber auch Nachteile. Ich kann jedem nur raten, selber mal zu testen, wie die einzelnen Bleistifte zum Beispiel auf Kopierpapier oder auch Aquarell- oder Zeichenpapier reagieren, oder wie sie reagieren, wenn man diese mit Estompen verwischt. Verschiedene Techniken erfordern verschieden Hersteller und Materialien.

Ich habe zum Beispiel für meine Art und Weise der Zeichentechnik und -art bestimmt 50 verschiedene Papiersorten ausprobiert, bis ich das Papier gefunden hatte, was für mich am meisten zusagt. Wie oben erwähnt hatte ich das mit Bleistiften auch mal ausprobieren müssen, da es eben dort auch Unterschiede gibt. Unten gibt es den weiterführenden Link zum Thema Papier.

Getestet habe ich also die oben genannten Marken in meiner Weise zu zeichnen und auf für mich das geeignetste Papier dafür. Wer anders zeichnet, oder anderes Papier nutzt, kommt wahrscheinlich zu einem komplett anderen Ergebnis. Mein Test soll also nur Erfahrungen wiedergeben, und keine Empfehlung sein!

In den Schraffur-Test-Bildern habe ich jeweils einen “F” Bleistift der entsprechenden Marke benutzt. In Kästchen 1 wurde nur normal schraffiert, in Kästchen 2 wurde mittels eines Taschentuches verwischt, und im Kästchen 3 habe ich zum Wischen einen Estompen benutzt.
Schaut man sich die Bilder genau an, kann man schon die Unterschiede der Marken erkennen. So sind Mitsu-bishi und Tombow wesentlich dunkler, Faber-Castell perfekt beim Schraffieren und die Boesner Hausmarke gut beim Verwischen mit Taschentuch.


BOESNER HAUSMARKE

Boesner Hausmarke Schraffur-Tests

Mit den Bleistiften habe ich über 10 Jahre gearbeitet, weil sie für mich eine preislich günstigere Alternative zu den anderen Marken war. Als Student musste man schon immer auf jeden Cent achten, auch wenn die Unterschiede doch eher minimal sind. Aber wie man liest, kam ich mit den Bleistiften sehr gut zurecht, und hatte im Grunde genommen nie eine Beanstandung. Fast alle Zeichnungen bis zum Anfang 2019 sind mit diesen Bleistiften angefertigt worden. Und ich muss halt sagen, dass die Hausmarke von Boesner einfach ein guter Allrounder ist, mit dem man gut arbeiten kann. Der Bleistift lässt sich gut spitzen, kratzt zwar ab und zu, aber nicht so wie andere Billigmarken. Ich kann also mit einem guten Spitzer auch gute, nadelförmige Spitzen erreichen. Es kommt hin und wieder mal vor, dass die Mine an der Spitze splittert, aber das ist eigentlich nicht schlimm. Wird halt nochmal etwas weiter gespitzt, bis das gute Ergebnis erzielt wird. Über das Papier gleiten die Bleistifte gut, aber auch hier kommt es ab und zu mal zum leichten Kratzen. Je härter der Bleistift, desto stärker auch das ab und wann vorkommende Kratzen auf dem Papier. Da ich aber eh meist nur mit F, B, 2B und 4B arbeite, hatte ich das Problem eher weniger, und konnte es vernachlässigen. Mit den weichen Bleistiften erzielt man ein gutes, schwarzes und dunkles Ergebnis, und die Bleistifte lassen sich prima verwischen.

Schulnote: 2-


Mitsu-bishi Hi-uni

Mitsu-Bishi Schraffur-Tests

Die Mitsu-Bishi Bleistifte erhält man hier in Deutschland nicht direkt, sondern muss sie importieren. So wie ich erfahren habe, werden in Europa diese japanischen Bleistifte auch von Faber-Castell vertrieben, und man möchte sich hier in Deutschland keine eigene Konkurrenz aufbauen. Das ist aber nur eine Vermutung von mir. In Zeiten des Onlinehandels kann man die Bleistifte aber über diverse Plattformen beziehen, und bekommt ein kleines Päckchen aus Japan zugeschickt. Das lange Warten lohnt sich aber absolut, denn der Mitsu-Bishi Bleistift ist, seitdem ich diese benutze, mein absoluter Favorit. Der absolute Vorteil dieser Bleistifte ist, dass diese samtweich sind und man das Gefühl hat, man zeichne mit Seide. Jetzt gibt es natürlich die speziellen Härtegrade, die schon eine gewisse Orientierung haben sollten, aber ich habe feststellen können, dass die Bleistifte etwas weicher reagieren als die anderen Marken. So ist ein B Mitsu-Bishi eher wie ein 2 oder gar 3B Bleistift der anderen Marken, obwohl aber das Tiefschwarz nicht erreicht wird, wie die weicheren Gegenstücke. Erziele ich mit einem 4B der anderen Marken eine schönes tiefes schwarz, erziele ich das gleiche Schwarz mit dem 4B Mitsu-Bishi, habe aber das Gefühl eben mit einem 5 oder 6B zu zeichnen. Das ist absolut angenehm, man hat eben dieses „weiche“ Gefühl. Es kann sein, dass man durch diese Weichheit auch etwas mehr an Material verbraucht, aber das ist auch nur so ein Bauchgefühl; in Milligramm messen kann ich das natürlich nicht. Anspitzen lassen sich die Bleistifte perfekt, und ich habe noch keinen einzigen Bruch erlebt. Auch das gewisse Kratzen ist bei diesen Bleistiften nicht zu spüren. Demnach bleibt dieser Bleistift mein absoluter Favorit und eine Empfehlung an jeden, der irgendwann einmal diese ausprobieren kann.

Schulnote: 1+


Tombow mono 100

Tombow Schraffur-Tests

Der Tombow Bleistift ist im Grunde genommen exakt so wie der Mitsu-Bishi Bleistift. Nur dass man ihn eben hier in Deutschland auch direkt beziehen kann. Der Bleistift selber ist auch richtig sanft und zart, und man kann ihn eben kaum vom Mitsu-Bishi unterscheiden. Ebenso hat der Bleistift ein wirklich edles Design, aber im Grunde genommen ist das natürlich eher zweitrangig. Der einzige Unterschied zum Mitsu-Bishi ist, dass der Bleistift mir exakt einmal beim Spitzen abgebrochen ist. Das kann natürlich auch ein Produktionsfehler sein, aber irgendwie muss man die Bleistifte ja unterscheiden und zu einem Ergebnis kommen. Auch mit dem Tombow erziele ich wirklich traumhaft schöne tiefschwarze Ergebnisse. Von daher auch von mir eine klare Kaufempfehlung, wenn man an den Mitsu-Bishi nicht selber kommt.

Schulnote: 1+


FABER-CASTELL 9000

Faber-Castell Schraffur-Tests

Die Marke, die eigentlich in aller Munde ist und am bekanntesten ist. Was kann man da groß zu sagen? Man merkt, dass Faber-Castell schon so einige Jahre Erfahrungen auf dem Gebiet hat, und so bekommt man auch einen soliden Bleistift, den ich gerne als Allrounder bezeichnen möchte, der aber durch seine Härte eine besondere Qualität hat. Wenn man sehr fein und detailreich zeichnen möchte, und eher schraffieren anstelle verwischen möchte, ist dies der ideale Bleistift. Für meine Anwendungen und Zeichnungen kommt dieser Bleistift eigentlich nur aufgrund dieser Vorteile beim Zeichnen von Haaren zum Einsatz. Hier versuche ich relativ genaue Linien zu zeichnen, und dies klappt mit dem Bleistift ideal. Nur nutze ich hierfür nicht den normalen Bleistift in Holz, sondern die mechanischen Druckbleistifte mit den entsprechenden Minen. Die kleinste Größe, die ich da nutze ist 0.3mm Wenn man aber auf die normalen in Holz gefassten Bleistifte zurück greift, und gerne detailreich mit klaren Linien, oder auch technische Zeichnungen anfertigen will, ohne diesen irgendwie verwischen zu wollen, dann hat man ein ideales Utensil dafür.

Ich persönlich, wie oben erwähnt, nutze die Faber-Castell Bleistifte immer noch, auch wenn ich jetzt „nur“ noch die mechanischen Druckbleistifte nutze. Die Stärken B und 2B in 0.3 und 0.5mm sind für mich ideale Begleiter für detailreiche Zeichnungen, bei denen ich auch gerne mal ein Taschentuch oder einen Estompen zum Verwischen nutze (z.B. an den Augen). Meine normalen Bleistifte sind mittlerweile Jahrzehnte alt, und das Holz um die Mine ist immer noch im guten Zustand!

Schulnote: 2


LYRA art design

Lyra Schraffur-Tests

Der Lyra Bleistift besticht für mich wieder durch eine gewisse Weichheit und Sanftheit, kommt aber eben an diese Eigenschaft der Tombow und Mitsu-Bishi nicht ganz heran. Und was mich leicht stört ist das Anspitzverhalten, denn dort habe ich häufiger Absplitterungen oder Bruch gehabt als bei anderen Marken. Es kann natürlich sein, dass ich eine schlechte Charge bekommen habe, und dies bei anderen Stiften nicht so ist: In der Mine scheinen immer wieder etwas härtere „Stückchen“ zu sein, denn auch beim Schraffieren merkt man, wenn ein solches Element gerade am Papier kratzt. Und genau in solchen Momenten hat man kleine schwarze Punkte in den Schraffuren. Wenn dies nicht wäre, hätte man einen super guten Allrounder.

Schulnote: 2-


Wie bereits erwähnt: Jeder Bleistift hat seine speziellen Eigenschaften, die man in seinen Techniken und Papiersorten nutzen sollte. Für meine Technik und das von mir bevorzugte Papier sind der Mitsu-bishi und Tombow die Testsieger.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig zeigen, dass die Bleistifte sich alle anders verhalten, und ich kann jeden nur empfehlen: Testet auch so viel wie möglich aus!


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